Articles

Raoul Peck – Assistance Mortelle

Am 12. Januar 2010 erschüttert ein schweres Erdbeben die Hauptstadt von Haiti. Rund 250.000 Menschen sterben, mehr als 1,2 Millionen werden obdachlos. NGOs aus aller Welt entsenden Experten, die das Land beim Wiederaufbau unterstützen sollen.

Die Hoffnungen sind zunächst groß: Während einer internationalen Geberkonferenz werden Milliarden versprochen; die Interim Haiti Recovery Commission (IHRC) mit Bill Clinton an der Spitze soll die globale Solidarität steuern. Doch zwei Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus: Wer einen Fuß in die überbevölkerte Hauptstadt setzt, erkennt sofort, dass die internationale Gemeinschaft hier gescheitert ist.

Noch immer leben Hunderttausende in Zelten, die IHRC ist kaum noch existent und nur ein Bruchteil des versprochenen Geldes je in Haiti angekommen. In einer zweijährigen filmischen Spurensuche rekonstruiert der in Haiti geborene Raoul Peck, wie es dazu kommen konnte, dass dem Zehn-Millionen-Volk in der Karibik trotz weltweiter Versprechen nur unzureichend geholfen wurde.

Er befragt politische Entscheidungsträger, Experten und Ingenieure ebenso wie „einfache“ Haitianer, die sich mühevoll um den Wiederaufbau ihres Landes kümmern.

Raoul Peck

AAH_raoul_peckGeboren 1953 in Port-au-Prince, Haiti, aufgewachsen in Zaire und in den USA. Peck studierte in Frankreich, in den USA und an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin.

Mit seinem Spielfilm L‘HOMME SUR LES QUAIS präsentierte er 1993 den ersten Beitrag aus der Karibik im Wettbewerb von Cannes und war 1996 und 1997 Kulturminister in Haiti.

2002 war er Mitglied der Internationalen Berlinale-Jury und 2012 Mitglied der Wettbewerbsjury von Cannes. Gast des Berlinale-Wettbewerbs war er zuletzt 2005 mit seinem Film SOMETIMES IN APRIL über den Völkermord in Ruanda 1994.

Quelle: Berlinale Spezial 2013